Das ÖVV-Nationalteam hat am Wochenende ein wichtiges Kapitel auf dem Weg zur EuroVolley 2011 in Österreich und Tschechien (10. bis 18. September) abgeschlossen. Als Teil der Vorbereitungen auf das Großereignis im eigenen Land hat es in wechselnder Besetzung als "Team Club Austria" in der hochkarätig besetzten Middle European League (MEL) mitgespielt. Im Interview mit Andreas Schnedl sprach ÖVV-Teamchef Michael Warm über die Teilnahme an der MEL, die Entwicklung der Spieler und die weitere Vorbereitung.
Wie sind Sie mit der Teilnahme des Nationalteams an der Middle European League zufrieden?
Ich denke, dass diese Idee genau für diese Situation in Österreich optimal war. Wir haben ganz klar gesehen, dass wir sehr viele junge Spieler haben, die wenig internationale Erfahrung haben. Diese wollten wir sehr eng betreuen. Deshalb war es die beste Konzeption für diese Ausgangssituation. In engem Kontakt mit den Vereins-Trainern und den Spielern haben wir das dann auch sehr gut hinbekommen, den Kader technisch, taktisch und mental weiterzuentwickeln.
Wieso war die Teilnahme für die Spieler so wichtig?
Exemplarisch steht für mich Aufspieler Oliver Binder, der vorher kaum internationale Spielpraxis hatte. Durch die MEL-Spiele mit dem Nationalteam und den hotVolleys kam er in dieser Saison bisher auf fast 40 Spiele auf internationalem Niveau. Hinzu kommen noch die 30 Spiele im Sommerprogramm des Nationalteams. Er hat dadurch einen Riesensprung von letztem Mai bis jetzt gemacht. Wenn man sieht, dass ein etwa gleich alter deutscher Nationalspieler wie Markus Böhme schon bei mehreren Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und bei Olympischen Spielen dabei war, merkt man, was wir aufzuholen hatten.
Warum hatte die Entwicklung der jungen Spieler so eine hohe Priorität?
Wir wussten, dass wir mit Kapitän Daniel Gavan, Philip Schneider, Gerald Reiser und Fred Laure vier gute, international erfahrene Spieler haben. Dazu mussten wir aber noch weitere Spieler finden. Bei den Jüngeren haben wir ein großes Potenzial gesehen, zu ihnen aufzuschließen.
Am Ende des „Experiments“ MEL hat das Team Club Austria vier Siege, 14 Niederlagen und 15 Punkte auf dem Konto. Hätten Sie sich mehr sportlichen Erfolg gewünscht?
Unsere oberste Priorität war, wie gesagt, die jungen Spieler an das internationale Niveau heranzuführen. Dennoch sind wir in jedes Spiel so gegegangen, dass wir es gewinnen wollten. Wir haben in ein, zwei Partienn überrascht, beispielsweise als wir am letzten Wochenende den kroatischen Final Four-Teilnehmer OK Mladost Marina Kastela geschlagen haben. Natürlich mussten wir der wechselnden Besetzung Tribut zollen, als wir teilweise gute Chancen hatten. Obwohl wir nicht optimal eingespielt waren, haben wir 15 Punkte geholt, oft ohne die besten Spieler. Dadurch haben die Jungen gelernt, diese Last zu tragen, obwohl sie noch internationale Roookies oder "Grünschnäbel" waren. Diese internationalen Spiele in der MEL und im Europacup sind der eigentliche Maßstab für mich, um zu sehen, was sie leisten können.
Können Sie schon etwas über die weitere Kader-Zusammensetzung sagen?
Wir hatten wirklich sehr viele Spieler im Sichtungskader, aber die Sichtung ist nun weitgehend abgeschlossen. Ich denke, dass dies einer unserer Vorteile im Hinblick auf die EuroVolley 2011 sein könnte. Normalerweise haben die Trainer drei bis vier Sichtungswochen. Wir wollen ab Ende April mit einem 14-Mann-Kader weiterarbeiten. Von der Europa League bis zur Europameisterschaft gilt es nun, die besten Spieler ganz konstant auf das Großereignis vorzubereiten. Nach der EM arbeiten wir wieder in die Breite, aber jetzt können wir wirklich beginnen. Wir wollen die 14 Spieler schon bald nominieren. Bei den meisten sind wir uns schon sehr klar, dass sie dabei sein werden. Ein paar Positionen sind noch offen.
Können Sie uns schon Namen für den Vorbereitungskader verraten?
Nun, ich kann schon sagen, dass einige Spieler fix sind. Michael Laimer, Thomas Zass, Oliver Binder, Fred Laure, Daniel Gavan, Gerald Reiser, Philip Schneider, Simon Frühbauer und Alexander Berger wollen wir bei der EuroVolley dabei haben. Zuletzt hat uns auch noch Peter Wohlfahrtstätter überzeugen können. Die letzten Entscheidungen will ich nach weiteren Gesprächsrunden mit meinen Co-Tainern treffen. Dabei werden strukturelle und taktische Überlegungen eine Rolle spielen.
Wie geht es nun mit der Mannschaft weiter?
Bis Saisonende werden sich die Spieler ganz auf die Arbeit mit ihren Vereinen konzentrieren. Wir vom Nationalteam können den Klubs auf einer internet-basierten Trainingsplattform auf allen Ebenen Unterstützung zur Arbeit mit den Spielern bieten. Ende April werden wir uns zu einer Woche treffen, bei der Regenerationstraining und der athletische Neuaufbau eine ganz wichtige Rolle spielen werden. Danach geht es dann Schlag auf Schlag bis zur EM.
Wie sind Sie bislang mit der Entwicklung des Teams zufrieden?
Man hat bisher einfach noch keinen Satz von dieser Mannschaft gesehen, in dem sie nicht bis zum Schluss Punkt für Punkt alles gegeben hätte. Unsere jungen Spieler haben die Fähigkeit in knappen Sätzen mental sehr stark zu sein. Es war heuer wirklich toll, wie super die Vereine mit uns kooperiert haben. Wir bekamen von Innsbruck Leistungsträger, wie Gavan und Laure immer zur Verfügung gestellt, wenn wir angefragt haben. Bei Aich/Dob und Gerald Reiser war es genauso. Die hotVolleys-Spieler haben mit ihrem Verein noch einmal 36 MEL-Spiele absolviert. Die Klubs aus Amstetten, Hartberg und Arbesbach müssen ebenfalls lobend erwähnt werden. Diese Kooperation ist wahrlich nicht selbstverständlich. Ich wünsche mir, dass sich diese Spieler bis nach der EM bei ihren Vereinen oder bei anderen guten Teams durchsetzen werden.

















